Ich hätte nie gedacht, dass das hier passiert.

Am 5.11.15 war ich in der Ostapotheke feiern. Ich steh mit x in einer Ecke und wir machen rum. Plötzlich stellt sich ein Typ neben uns und sagt, „sieht voll schön aus“. Ich schau auf und er so: „wirklich“. X und ich sind perplex und bitten ihn gleichzeitig, doch woanders hinzugehen. Daraufhin entgegnet er mit einem Nein. Wir werden lauter und bitten ihn noch einmal eindringlicher „KANNST DU BITTE WEGGEHEN?!“ Woraufhin er meint: „Nee, das ist ein öffentlicher Raum, ich kann stehen wo ich will. Aber macht ruhig weiter, das stört mich nicht. Ich mag das.“

Ich bin sprachlos und wir gehen zur Bar um die Ecke, um dort Bescheid zu geben, dass wir voll scheiße angemacht wurden und den Typen gebeten haben, doch bitte zu gehen. Dieser verschwindet im Gang und ich seh ihn nicht mehr. Der Barkeeper fragt, ob ich ihn beschreiben könne, doch auf sein Aussehen habe ich in dem Moment nicht geachtet. Woraufhin er meint, dass er dann leider nichts machen könne, denn ohne eine Beschreibung könnten sie ihn ja nicht wiederfinden. Es tue ihm leid, aber wenn er nochmal kommt, können wir ihm ja Bescheid geben. Wir bleiben nun eine Weile an der Bar stehen, mir laufen vor Wut Tränen runter. X nimmt mich in den Arm und hält mich fest.

Hinter mir eine Stimme: „Ich finds immer noch schön.“ Vor mir steht wieder der Typ samt anderer männlicher Begleitung. Ich drehe mich zu dem Mensch hinter der Bar um und sag, „Der is das.“ Dieser fragt, was mit dem genau gewesen wäre. Also erzähle ich ihm nochmal detailliert, was passiert ist. Als ich mich umdrehe, steht der Typ immer noch hinter uns und sieht mich heulen, das macht mich aggressiv. Ich schreie ihn an, dass er doch endlich abhauen und sich verpissen soll. Er reagiert nur mit einem „Was denn? Was haste denn?“ Ich kann nicht mehr, dass er das jetzt echt fragt, dass er sich so sicher fühlt, dass er mich vor mehreren Leuten so anmacht. Ich hau mit der leeren Flasche, die ich in der Hand hab, auf seine Schulter. Er ruft sofort nach der Security. Sein Entsetzen wirkt halb freudig und provozierend. Seine Begleitung neben ihm geht auf mich zu und meint zu mir, „Das kannste doch nich machen.“ Ich schrei, „ich habs ihm zweimal gesagt, dass hier meine GRENZE is!“ Jetzt und erst jetzt spricht eine Frau hinter der Bar irgendwas in ein Funkgerät und ich denk mir, endlich passiert was.

Der Mann von der Security kommt auch – wegen mir. Er fragt mich wiederum, was passiert ist. Ich erzähl die Geschichte also noch einmal. Security, Barkeeper und der Typ stellen sich neben uns in einen Kreis und fangen an zu diskutieren. Der Security geht damit so um wie mit einem etwas lästigen Spruch; einer verkappten Anmache, die ein bisschen too much war. Er checkt nicht, was es heißt, wenn ein Typ zwei Frauen auffordert: macht weiter, ich finds geil. Es ist für ihn nicht krasser Sexismus, der sich als zweifelhaftes Kompliment verkleidet (und Homophobie!). Nach einer Weile wenden sich der Securitymann und der Mensch von der Bar von ihrem Gesprächspartner ab und sagen mir: „Wir haben ihm jetzt gesagt, dass das nicht geht und dass er nicht mehr in deine Nähe kommen soll, is das ok für dich? Wenn er dich wieder blöd anmacht, sag uns Bescheid.“

Aber egal ob er sich jetzt 3 Meter von mir wegstellt oder nicht – ich brauch so nicht mehr weiterfeiern. Ich zucke resigniert mit den Schultern und stelle mich mit x in eine Ecke, da ich keinen Bock mehr habe, das mitzuverfolgen. Sie diskutieren weiter. Plötzlich kommt der Security zu uns und fragt, ob ich den Mann mit einer Flasche geschlagen habe, was ich bejahe – „Das können se doch nich machen. Da kommen se zu uns wenn so was is!!!“ Aber genau das habe ich ja gemacht. Ich erkläre ihm, dass ich schon bei der Bar war. Der Security sagt nichts und beugt sich wieder hoch. X fragt, wieso der Typ nicht einfach rausgeworfen wird und diskutiert noch ein bisschen mit ihm darüber. Dann geht er wieder. Ich sitze noch ne Weile da und ärgere mich dann über mich selbst, dass ich mich so feige rauszieh. Also gehe ich wieder vor zur Bar, wo die drei immer noch diskutieren. Der Typ sagt gerade Sachen wie „das war ein KOMPLIMENT“. Ich schreie, „JAAAA nachdem ich dir drei Mal sag, ICH MAG DAS NICHT!!!“ Der Typ meint, ich könne mich doch auch einfach bei ihm entschuldigen. Ich verstehe, dass ich hier mit dem in einem Raum nichts mehr zu suchen habe, und sag zu den beiden von der Ostapo, dass sie sich entscheiden sollen, einer von uns geht jetzt und dass sie halt wissen müssen, wo sie stehen. Sie gucken mich nur an und sagen nix. Also beschließe ich zu gehen.

Auf dem Weg nach draußen kommt uns beiden jemand hinterher, der scheinbar auch in der Ostapo arbeitet oder aber sich aus anderen Gründen irgendwie verantwortlich fühlt. Er sagt, dass es ihm total leidtun würde, dass wir gehen, aber es wird wohl das Beste sein, so fertig wie ich sei und wünscht uns einen guten Nachhauseweg.

Ich hätte mir ganz ehrlich eine klare Ansage gewünscht. An einem Ort, wo mehrere Leute, die ich kenne, öfters feiern gehen, bekomme ich keinen Support. Ich bin krass enttäuscht von der Reaktion der Leute der Ostapo und fordere sie auf, sich Gedanken darüber zu machen, wie sie in Zukunft mit so einer Situation umgehen, sodass man sich damit danach wieder wohlfühlen kann. Es hat mich Überwindung gekostet, alles an der Bar zu erzählen, und ich hab deshalb Bescheid gegeben, weil ich mir sicher war, die sind dann völlig selbstverständlich auf meiner Seite. Ich dachte, wenn was Konsens ist, dann das. Stattdessen musste ich dann erst mal anfangen, mich zu erklären und zu rechtfertigen. Dass die Security erst kommt, nachdem ich “handgreiflich” wurde, geht gar nicht. Dabei habe ich zwei Mal auf das grenzüberschreitende Verhalten hingewiesen und auch danach wurde die Situation nicht richtig bewertet, sondern einfach so abgetan. Ich hätte nie gedacht, dass das hier – an so einem Ort – passiert.
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