Ich geb’ dir Rückhalt!

Ich geb’ dir Rückhalt! – I’ve got your back!

Was ist schlimmer als belästigt zu werden? Belästigt werden umgeben von einer Menge Menschen, die etwas hätten tun können, aber nichts getan haben.

Du hast die Geschichten gelesen, du weißt, von wem wir reden: Der „Es geht mich nichts an“-Typ. Der „Er hat das gar nicht ernst gemeint“-Typ. Oder die Frau, die dich anspricht – aber nicht um zu wissen, ob du Hilfe brauchst, sondern um dir ein Kompliment über deine Frisur zu machen.

Aber: Das kann auch anders sein. Wir haben uns mit dem preisgekrönten Beobachter_innen-Programm ‚Green Dot‘ zusammengeschlossen, um Dir dabei zu helfen, bei Belästigungen erfolgreich einzugreifen – und natürlich damit Du Deine Erfolge danach auf unserer Internetseite angemessen dokumentieren und feiern kannst.

Was ist ein Green Dot und wie funktioniert es?

Ein Green Dot ist schlicht der Moment, in dem Du Dich bewusst sichtbar und aktivgegen Belästigungen positionierst. Das Programm ermöglicht es Dir, zu zeigen, wie inakzeptabel Belästigung ist und dass Du damit nicht einverstanden bist. Dadurch signalisierst Du Betroffenen von Belästigung, dass Du ihnen Rückhalt gibst („I’ve got your back“). Gleichzeitig zeigst Du allen anderen in Deinem Umfeld, dass Du erwartest, dass auch sie ihren Teil dazu beitragen, den öffentlichen Raum sicherer zu machen.

Belästigung braucht zwei Grundvoraussetzungen:

1) Eine Person oder eine Gruppe, die sich entscheidet, andere zu belästigen.

2) Eine Gruppe von Zuschauer_innen, die nicht bereit ist einzugreifen.

Verwandeln wir unsere Vision von einem Leben ohne Belästigung in Realität! Fangen wir damit an, aktiv zu Handeln, wenn Menschen in unserer Umgebung belästigt werden, statt untätig zu bleiben und nur zuzuschauen.

Wer nur daran denkt, wie schlimm Belästigung ist, aber nichts dagegen tut, wird nichts verändern. Sich gegen Belästigung zu positionieren ist die einzige Lösung. Sobald Du Dich engagiert hast, kannst Du Deine Geschichte auf dresden.ihollaback.org erzählen. Dadurch wirst Du andere Menschen dazu inspirieren, auch aktiv zu werden und Menschen, die schon Belästigungen erlebt haben, Mut machen.

Hier findest Du drei Schritte zum aktiv werden:

(1) Merk Dir, wie sexistische, sexualisierte, rassistische, homophobe, transphobe, queerfeindliche, beHindernde oder anders verletzende Belästigung aussieht.

(2) Denk über die Gründe nach, warum Du bisher nicht aktiv geworden bist.

(3) Such dir eine Handlungsmöglichkeit aus (einen ‚Green Dot‘), die für Dich am besten funktioniert!

(1) Was du vielleicht manchmal mitbekommst – äähm ist das Belästigung?

  • Kommentare über das Aussehen, das Geschlecht, die sexuelle Orientierung, etc. einer Person
  • Vulgäre Gesten
  • Sexuelle explizite Kommentare (zum Beispiel, „Hey Baby, ich würde gern ein Stück von Dir haben“)
  • Angaffen
  • Nachpfeifen
  • Sexistische, rassistische, queerfeindliche, homophobe, transphobe, beHindernde etc. Äußerungen
  • Kuss-Geräusche
  • Jemanden verfolgen
  • sich vor jemandem entblößen
  • Jemandem den Weg blockieren
  • Begrapschen und sexualisierte Übergriffe (zum Beispiel, die Brust, den Po oder die Beine einer Person anfassen)
  • Masturbation in der Öffentlichkeit

(2) Oh je, oh je, das ist SCHRECKLICH… ich muss unbedingt was machen… aber…

  • Ich traue mich nicht / ich bin zu schüchtern.
  • Ich weiß nicht, was ich tun soll.
  • Ich will nicht, dass der Typ mich anfasst.
  • Was, wenn keiner mir den Rücken stärkt?
  • Was, wenn ich mich irre?
  • Ich will nicht selbst angegriffen werden.
  • Ich habe es eilig oder bin spät dran.
  • Vielleicht bin ich der_die Einzige, der_die denkt, dass es unverschämt ist und die Betroffene findet es ok.
  • Meine Freunde werden mich für komisch halten, wenn ich etwas dazu sage.
  • Mir gegenüber sitzt jemand, der_die total attraktiv ist und der wird mich bestimmt niemals anquatschen, wenn ich jetzt einschreite.
  • Ich muss jeden Tag hier vorbei laufen – vielleicht begegne ich denen nochmal.
  • Niemand anderes macht was.
  • Die sind viele und ich bin allein.
  • Wenn ich es der Polizei sage, vielleicht helfen auch die nicht.
  • Ist meine Reaktion übertrieben?
  • Das ist mein Freund, der diese ätzenden Sachen sagt…

Es kann sehr schwierig sein, einer Person Rückhalt zu geben, auch wenn wir es wirklich wollen. Die gute Nachricht ist: Das macht Dich nicht zu einer schlechten Person – es macht Dich nur menschlich! Noch mehr gute Nachrichten (genau, es gibt mehr als nur eine): Egal, wie schwierig es scheint – es gibt immer etwas, was du tun kannst und womit auch Du Dich wohlfühlen wirst!

(3) Was du tun kannst

In diesem Augenblick… Möglichkeiten direkter Aktivitäten:

  • Hey, hör auf“
  • Sag der Person, du rufst gleich die Polizei, wenn…
  • Alles klar!?“
  • Stell dich neben die angegriffene Person, damit sie weiß: Ich bin nicht allein.
  • Frag die betroffene Person „Nerven sie dich?“.
  • Mach ein Foto mit deinem Handy.
  • Guck missbilligend in die Richtung der Belästiger.
  •  Schlag den Betroffenen vor, gemeinsam mit ihnen bei der nächsten Haltestelle auszusteigen und zusammen mit dem nächsten Zug/Bus /… zu fahren.
  • Lass sie/ihn in Ruhe!“
  • Lach nicht. Mach nicht mit.
  • Sag laut „Iiiiii, ekelhaft!“.
  • Sprich mit deinen Freunden_Freundinnen darüber und sag, warum du es total uncool findest.
  • Frag die betroffene Person, ob du helfen kannst.
  • Sag dem Belästiger, du hast Polizist_innen um die Ecke gesehen – nicht dass sie in Schwierigkeiten geraten, wenn sie nicht sofort aufhören…
  • Sag der betroffen Person, dass es nicht ok war, was passiert ist und dass es Dir leidtut, dass es passiert ist.

Andere beauftragen, etwas zu tun:

  • Ruf die Polizei.
  • Brüll „Irgendjemand muss etwas machen“.
  • Als Gruppe eingreifen, statt allein.
  • Schick Freund_innen, die in der gleichen Bahn sind, eine SMS und bitte sie um Hilfe.
  • Stelle Augenkontakt mit anderen Zuschauer_innen her und frag sie, was ihr tun könntet.

Ablenken und aus dem Konzept bringen:

  • Frag nach dem Weg.
  • Biete der betroffenen Person Deinen Sitzplatz an.
  • Starte einen Flashmob.
  • Tu so, als ob du die Zielperson schon immer kanntest und sag „Ich habe überall nach Dir gesucht – schnell, die anderen warten schon auf uns“.
  • Lenk dadurch ab, dass du Deine Tasche auf den Boden knallen lässt.
  • Aus Versehen“ den Kaffee verschütten.

*Anmerkung zu Deiner Sicherheit: Wir möchten in jedem Fall verhindern, dass Du in eine gefährliche Situation kommst, während Du einer anderen Person hilfst. Denk immer an Deine Sicherheit und zieh Dinge in Betracht, die Dir diese Sicherheit ermöglichen (die Polizei rufen, andere Leute mobilisieren und so weiter).

In Deinem Alltag…

Du hast nur fünf Minuten? Hier ein paar Anregungen, was du tun kannst:

  • Brüll zurück und erzähl deine Geschichte auf dresden.ihollaback.org
  • Unterstütze Menschen virtuell. Lies mehr Posts und Erzählungen auf der Hollaback! Dresden und Umgebung –Internetseite und teile den Menschen mit, dass du da bist, dass du ihnen Rückhalt gibst.
  • Informiere deine Netzwerke!Erzähl Deinen Facebook-Freund_innen, warum Belästigung ein Problem ist. Gib auch Deinen Twitter-Follower_innen Tipps, wie sie bei Belästigung einschreiten können.
  • Mach Hollaback in Online-Netzwerken bekannt. Umso mehr Menschen da draußen wissen, dass es uns gibt, umso schneller können wir unser Ziel erreichen, allen Arten von Belästigung ein Ende setzen. Lade Deine Facebook-Freund_innen zu unserer Fanpage ein (http://www.facebook.com/pages/Hollaback-Dresden-und-Umgebung/241999735884540) und besuch unseren Twitter-Account https://twitter.com/#!/HollabackDD. Oder machs ein wenig mehr „oldschool“ und schick all Deinen Freund_innen Infos über HollaBack!

Schwöre Deinen persönlichen Eid, dass Du Deinen Teil gegen Belästigung beitragen wirst, wo auch immer Du sie siehst.

  • Jedes Mal wenn Du zusiehst, wie eine Person einen Green Dot anwendet, sag ihnen, wie GROßARTIG sie sind!

Du hast ein bisschen mehr Zeit?

  • Jeder Tag ist ein Tag zum Zurückbrüllen. Eine unserer Hauptaufgaben ist, über Belästigungen und HollaBack! Zu informieren. Bring die Idee von Hollaback bei Deiner nächsten Party ein! Kontaktiere uns unter ihollaback.org, um Details und Infos darüber zu bekommen, wie Du auf Deiner nächsten Party Bewusstsein über Belästigungen schaffen kannst und besorg Dir etwas von unserem HOLLAswag!
  • Lies so viel Du kannst übers passive Zuschauen, um mehr darüber zu erfahren, was Dich ins Stolpern bringen kann.
  • Schick uns ein Video, in dem Du Deine Geschichte mit sexueller Belästigung erzählst. Ideen dazu kannst du dir auch auf unserer YouTube page holen.
  • Gast bloggen. Du hast eine clevere Meinung zu Belästigung? Teil Dich mit! Schick uns eine E-Mail mit Deinem Gastbeitrag und wir werden es auf dresden.ihollaback.org veröffentlichen.

Du hast noch mehr Zeit?

  • Mach eine Hollaback!-Seite für deine Stadt Klick hier für mehr Informationen.
  • Stell Nachforschungen an. Teil des Problems mit sexueller Belästigung und vielen anderen Formen von Belästigung ist, dass es unsichtbar ist. Ändere das, indem Du zum Beispiel eine Studie mit Hilfe eines Online-Fragebogens (Survey Monkey) in Deiner Stadt startest. Wir werden die Ergebnisse veröffentlichen.
  • Wir brauchen Dich. Wir bestehen ausschließlich aus Freiwilligen und brauchen jede Hilfe, die wir kriegen können. Event-Veranstalter_innen, DJs und VJs, Songwriters, Künstler_innen, etc. – wir brauchen Euch Alle!

Niemand muss alles machen, aber alle müssen etwas tun. Wir können alle unseren Teil beitragen, indem wir anderen Rückhalt geben.

Background zu Green Dot’s Got Your Back Kampagne:

Die Anwendung von Green Dot auf Belästigungen ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen den fantastischen Menschen bei Hollaback und dem Green Dot Team. Mehr Informationen über Green Dot gibt‘s unter www.livethegreendot.com. Falls Du daran interessiert bist, Green Dot bei anderen Formen von Gewalt anzuwenden, kontaktiere sayre@livethegreendot.com.

Dieser Post ist auch verfügbar auf: Englisch